Über REVASK

Projektziele

REVASK hat sich zum Ziel gesetzt zu prüfen, ob und inwiefern strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Fachärzten für Kardiologie und Fachärzten für Herzchirurgie in sog. Herzteams die Leitlinienadhärenz bei ausgewählten Patientenkollektiven die Entscheidung zur Revaskularisationstherapie verbessert. Damit untersuchen wir auch, ob der Einsatz von Herzteams die Umsetzung der Leitlinie im Versorgungsalltag als auch das Behandlungsergebnis prognostisch günstig beeinflusst.

Im Mittelpunkt der Auswertung stehen Patientinnen und Patienten für die die Nationale Versorgungsleitlinie cKHK vorrangig ein invasives Verfahren (Bypass) empfiehlt.

Projekthintergrund

Herz-Kreislauf-Krankheiten und hierbei insbesondere die koronare Herzkrankheit (chronische KHK; cKHK) gehören in Industrienationen zu den häufigsten Todesursachen. Behandlungsmöglichkeiten für die cKHK umfassen unter anderem die Erweiterung der Herzkranzgefäße durch einen Stent per Katheter oder eine Bypass-Operation in der verengte Gefäßstellen überbrückt werden. Die Nationale Versorgungsleitlinie chronische Koronare Herzkrankheit (NVL cKHK; 5. Fassung) empfiehlt bei der koronaren Revaskularisation zur Verbesserung der Indikations- und Behandlungsqualität sowie zur Vermeidung von Selbstzuweisung und nicht angemessenen ad-hoc Eingriffen die Etablierung von interprofessionellen Entscheidungsstrukturen und Prozessen, die sog. Herzteams. Im Herzteam entscheiden Fachärzte für Kardiologie und Fachärzte für Herzchirurgie gemeinsam nach Abwägung des Schweregrads der Gefäßveränderungen (Koronarbefund) und unter Berücksichtigung von Art und Umfang von Begleiterkrankungen der jeweiligen Patientinnen und Patienten über eine adäquate Therapie. Auch andere, einrichtungsinterne Faktoren, wie Ausstattung oder die Präferenz des jeweiligen Krankenhauses oder der Abteilung können ausschlaggebend für die Entscheidung über die Therapieform sein. Diese Faktoren sind bislang unzureichend untersucht und sind ein Untersuchungsgegenstand des Projektes REVASK. Im Sinne der Patientensicherheit wie auch aus Patientensicht haben der Erhalt bzw. die Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung von Folgeerkrankungen der cKHK auf leitlinienunterstützter Grundlage oberste Priorität.

Projektablauf

Im Projekt werden Abrechnungsdaten der Techniker Krankenkasse, der BARMER und der Betriebs- und Innungskrankenkassen sowie Behandlungsdaten, die in Registern der Fachgesellschaften gespeichert sind, analysiert. Darüber hinaus werden Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten befragt, wie die Entscheidung über die Revaskularisationstherapie getroffen wurde und wie zufrieden beide Seiten mit dem Ergebnis der Behandlung und der Entscheidung sind.

REVASK gliedert sich in 4 Module:

Eventuelle Unterschiede in Art, Umfang und der Leitlinienberücksichtigung bei der sektorenübergreifenden Versorgung von Patienten mit koronarer Revaskularisation sollen sichtbar gemacht werden. Konkretes Ziel des ersten Moduls ist es damit, deskriptive, bevölkerungsbezogene Ergebnisse zu Art und Umfang von Stent per Katheter und Bypass-Operationen bei cKHK in Deutschland darzustellen.

Mittels Methoden des maschinellen Lernens sollen außerdem typische Behandlungsabläufe von der Erstdiagnose cKHK bis zur ersten Intervention dargestellt werden. Die in den Routinedaten gefundenen Ergebnisse werden weiterhin durch die Daten eines prospektiven wissenschaftlichen Registers (ALKK-Register) validiert.

Mittels eines Methodenmixes, aus qualitativen Erhebungsverfahren, teilstandardisierter Beobachtung und aus standardisierter Befragung erheben wir den Ist-Zustand zur Umsetzung der Herzteams. Anschließend analysieren wir den Ablauf von Entscheidungsprozessen zur Revaskularisation und überprüfen die Hypothese, dass interprofessionelle und partizipative Entscheidungsstrukturen und -prozesse gemäß der NVL cKHK bundesweit sehr unterschiedlich implementiert sind. Außerdem möchten wir den Stellenwert des in der NVL cKHK empfohlenen Syntax-Scores im klinischen Alltag untersuchen.

In diesem Arbeitspaket befragen wir cKHK Patientinnen und Patienten mit einer Indikation zur Revaskularisation zu ihren Erfahrungen mit dem Entscheidungsprozess über das Revaskularisationsverfahren. Hierbei möchten wir im Einzelnen folgende Punkte untersuchen:

  • Wie und durch wen erfolgt die Entscheidung über das Revaskularisationsverfahren aus Sicht der Patientinnen und Patienten?
  • Wie fühlen sich Patientinnen und Patienten in die Entscheidung über das Revaskularisationsverfahrens eingebunden, wie gut fühlen Sie sich über Therapieziele, Nutzen und Schaden informiert?
  • Unterstützt ein aus der Sicht der Patientinnen und Patienten partizipativer Entscheidungsprozess den Abbau von Ängsten im Zusammenhang mit der Revaskularisation?

Im vierten Arbeitspaket verknüpfen wir die Primärdaten aus den vorherigen Arbeitspaketen mit ausgewählten GKV-Routinedaten aus dem ersten Arbeitspaket um zu untersuchen, ob stärker ausgeprägte interdisziplinäre Entscheidungsstrukturen und -prozesse, dazu führen, dass Entscheidungen zur koronaren Revaskularisation leitlinienadhärenter sind. Außerdem sollen patientenseitige und kontextuale Faktoren identifiziert werden, die sich prognostisch günstig auf das Behandlungsergebnis auswirken. Art und Umfang der Einbindung interdisziplinärer Herzteams wird als Einflussfaktor hinsichtlich der Indikationsstellung bei cKHK Revaskularisationsmaßnahmen untersucht.

Förderung

Das Projekt REVASK wird unter dem Förderkennzeichen 01VSF18010
vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fungiert als Projektträger.